Wiederinbetriebnahme hochwassergeschädigter Elektroanlagen

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  • 15. Juni 2013

Das Hochwasser in Sachsen zieht sich langsam aber sicher zurück. Auch so manche Schule oder Kita hat es leider wieder getroffen. Meistens wurden die Elektroanlagen besonders stark in Mitleidenschaft gezogen, da Zählerplätze, Hauptverteilungen und die Technikräume von Sicherheitsbeleuchtung, Brandmelde- und Einbruchmeldeanlage weiterhin überwiegend in den Kellerräumen untergebracht sind.

Welche Maßnahmen sind nun bei der Wiederinbetriebnahme der Elektroanlagen zu beachten:
 

  • Der Hausanschlusskasten (HAK) und der Stromzähler müssen durch den Energieversorger überprüft werden. 
  • Sämtliche Arbeiten bei der Wiederinbetriebnahme sind natürlich nur von einer ausgebildeten Elektrofachkraft auszuführen.
  • Ob die Zählerschränke, Haupt- und Stromkreisverteiler weiter genutzt werden können, muss die Elektrofachkraft vor Ort entscheiden. Sicherlich sind penibel Schmutz und Feuchtigkeit zu entfernen.
  • Überflutete Leitungsschutz- und Fehlerstromschalter müssen ausgetauscht werden. Die lebenswichtige Schutzfunktion kann nach dem Eindringen von Wasser und Schmutz nicht mehr gewährleistet werden. 
  • Die Elektroinstallation sollte Schritt für Schritt wieder in Betrieb genommen werden (Raum- oder Stockwerksweise). 
  • Alle Steckdosen, Schalter und Abzweigkästen o. ö. müssen geöffnet und überprüft werden. 
  • Die Installationsleitungen müssen mit Hilfe der Messung des Isolationswiderstandes überprüft werden.
  • Die Anlage ist gemäß DIN VDE 0100 Teil 610 komplett zu prüfen (Besichtigung, Messung des Isolationswiderstandes, Berührungsstrom, Erprobung). Fordern Sie von Ihrem Elektroinstallateur des entsprechend Prüfprotokoll ab.

    Fazit: Nach einer Überflutung entstehen in der Regel erhebliche Schäden an der Elektroinstallation. Sämtliche für die Sicherheit zuständigen Betriebsgeräte müssen ausgetauscht werden. Verteilungen können noch der Reinigung oftmals weiterverwendet werden; häufig auch Schalter und Steckdosen. Kabel und Leitungen sind im allgemeinen „hochwassersicher“. Schwachpunkt sind hier die ungeschützten Kabelenden. Beim Hochwasser 2002 habe ich ziemlich häufig Kabel- und Leitungsanlagen vorgefunden, bei den die ungeschützten Enden längere Zeit im Wasser gelegen haben und durch den Kapillareffekt das Wasser bis in das nächst höhere Geschoss gestiegen ist. Dieser Effekt tritt, bedingt durch den Kabelaufbau, hauptsächlich bei Fernmeldekabeln auf. Das bedeutet dann wirklich den Supergau für die Elektroinstallation: Totalschaden.

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