Mein erster Krippencontainer, Teil 1

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  • 11. August 2012

Die Politik hat es versprochen: Ab August 2013 gilt der Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz. Nun kommen die Kommunen in Zugzwang. Wie bekommen sie so schnell so viele Krippenplätze her? Da geistert ein Zauberwort herum: Der Krippencontainer. Der soll die schnelle Lösung bringen. Die Hersteller solcher Container versprechen, dass die Kommunen so innerhalb von 1 bis 2 Monaten nach der Bestellung eine komplette, funktionstüchtige Krippe bekommen. Von diesen Aussichten sind die Kommunen natürlich völlig begeistert. Die Architekten und Elektroplaner warnen: Einheitsbau. Billigbau. Kein Komfort. Keine moderne Technik. Vorschriften werden nichts beachtet. Es gibt nicht zu tun für die örtlichen Planer.


Ist das alles wirklich so? Das wollte ich gern selbst herausbekommen. Deshalb habe ich mich auch bei einigen Bauvorhaben mit Container für die Elektroplanung beworben. Ich war zunächst erstaunt, dass es so etwas überhaupt gibt. Aber offenkundig misstrauten die Auftraggeber ebenfalls den schönen Worten der Containerhersteller. Sie wollen einen fachkundigen Planer, der die notwendigen Anforderungen formulieren kann und die Kontrolle der Ausführung übernimmt.


Nun habe ich endlich den ersten eigenen Container. Die Kita Leßkestraße in Freital. Hier war bereits der 1. Spatenstich. Am 1. Oktober soll Einzug gefeiert werden. Also laut Zeitplan ist alles so, wie es in den Prospekten und auf den Webseiten steht. Aber wird es wirklich klappen? Die Planung für die Erschließung und Außenlagen habe ich bereits erstellt. Die Leistung ist bereits an eine örtliche Firma übergeben. Das macht nämlich der Hersteller nicht. Der stellt nur ein fertiges Gebäude hin. Die Erschließung muss bauseits gewährleistet werden.


Im Rahmen meiner Bauüberwachung möchte ich diesen Bau begleiten und hier im Blog in loser Folge über meine Erfahrungen berichten, damit Sie selbst entscheiden können, ob so ein Fertigteilgebäude etwas für sie ist.


Zur Einstimmung:


Eigentlich ist es nicht mein erster Container. In der Kita Freital-Pesterwitz habe ich schon einen solchen saniert, der auch nach den vorgesehen 15 Jahren als Bauwerk weiter besteht. An ihm kann man bereits sehen, dass Container wirklich nicht das richtige Wort für diese Art von Bauwerk ist. Fertigteilhaus ist treffender. So verputzt und frisch saniert sieht er auch ganz nett aus. Die Betreiber haben also keine große Kritik.

Kita Freital-Pesterwitz: Nur das Vordach lässt noch erkennen, dass es ein Container ist.

Wie verlief die Planung bei der zukünftigen Kita Leßkestraße?. Vom Hersteller bekommt der Auftraggeber einen großen Katalog, mit dem man sich seine Kita selbst aus den Grundmodulen und Ausstattungsmodulen zusammenstellen kann. Die Fläche der Kita ist ja meist durch die örtliche Ausdehnung vorgegeben. Deshalb können auch zwei oder mehrstöckige Varianten ausgeführt werden. Sogar eine nachträgliche Aufstockung ist möglich. Was die Grundmodule für die Elektroinstallation dieses Herstellers betrifft, ist der Ausstattungskatalog gruselig. Rasterleuchten, 4x18W, sind überall, auch in Gruppenräumen vorgesehen. Über den Ausgangstüren werden primitive Leuchten mit integriertem Bewegungsmeldern und eine 60W Allgebrauchslampe angeboten. Schlimm. Bestenfalls eine Schlüssellochbeleuchtung. (Jetzt weiß ich auch, warum ich eine komfortable Außenbeleuchtung mit Mastleuchten planen sollte! ;-) ). Die Grundausstattung mit 3 Steckdosen und einem Schalter für eine Gruppenraum ist auch sehr mickrig, aber da kann der Betreiber sicher damit leben, da die Alternative ja immer keine Krippe heißt. In den Planungsphasen wurden Mehrforderungen nach formschöneren Leuchten, mehr Steckdosen, dimmbare Beleuchtung vom Ausrüster bisher klaglos und ohne Mehrkosten akzeptiert. Mal sehen ob das so bleibt.


Die direkten Ansprechpartner beim Hersteller verstehen offensichtlich nichts von Elektroinstallation und Elektroplanung. Von der Produktion bekommt man fachlich fundierte Installations- und Verteilerpläne. Allerdings gab es hier große Unterschiede beim vom Auftraggeber und mir geforderten Ausstattungsgrad und dem Ausstattungsgrad in den vorgelegten Installationsplänen.


Mit diesem Prinzip fühlte ich mich etwas über den Tisch gezogen. Machen die das absichtlich? Liefern sie einen ersten falschen Entwurf und verbessern Ihn dann mit meinen Prüfbemerkungen, was sicherlich viel Zeit spart. Immerhin wurden meine Änderungswünsche ohne Mehrkostenanzeige hingenommen. Wie gesagt: Mal sehen, ob das so bleibt.


Die Elektroinstallation wird nach Aussage des Herstellers zu 95% im Werk vorgefertigt. Also jede nachträglich Änderung ist mit erheblichem Aufwand verbunden.


Sehr eigenwillig fand ich an den Vertragsunterlagen auch, dass die Prüfung der Elektroanlage bauseits verlangt wird, ebenso die Prüfung laut SächsTechPrüfVO für die Brandmeldeanlage und die Sicherheitsbeleuchtung. Vom Brandschutzkonzept hat noch niemand etwa gehört.


Immerhin, auf meine Anfrage, wo denn die laut Brandschutzkonzept geforderte Brandmeldeanlage im Installationsplan bleibe, erhielt ich die Antwort: „Die wird selbstverständlich vor Ort nachgeliefert. „


Nächste Woche sehen wir weiter. Dann sollen die Container hier ankommen.

Kita Leßkestraße in Freital: Noch ist es eine leere Wiese. Nächste Woche werden hier die Container aufgestellt.

Mehr Fotos von der Kita Leßkestraße in Freital>>>

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